Orang-Utans spielen eine wesentliche Rolle in den Tieflandregenwäldern Borneos und Sumatras und gelten als sog. Schlüsselart (in Anlehnung an die engl. Bezeichnung "keystone species"). Schlüsselarten sind Arten in der Ökologie, die im Vergleich zu ihrer geringen Häufigkeit einen unverhältnismässig grossen Einfluss auf die Artenvielfalt einer Lebensgemeinschaft ausüben. Vermindert sich die Anzahl an Individuen einer Schlüsselart signifikant oder verschwindet sie vollständig, hat das einen negativen Einfluss auf das Überleben und die Anzahl vieler anderer Arten im selben Ökosystem. Als Früchtefresser und Wanderer über lange Strecken spielen Orang-Utans eine grosse Rolle bei der Verbreitung der Samen der von ihnen gefressenen Pflanzen, und damit für die Pflanzenvielfalt und -zusammensetzung des Waldes. Sie verteilen dabei auch grosse Samen von Nahrungspflanzen, die von anderen Tierarten nicht gefressen werden. In dem tropisch feuchten Klima wachsen die auf den Waldboden gefallenen Samen schnell zu Setzlingen heran, aus denen neue Bäume wachsen.
Während Orang-Utans durch die Baumkronen wandern, brechen sie auch den einen oder anderen Ast ab und öffnen damit das dichte Blätterdach des Waldes. Damit kann vermehrt Sonnenlicht auf die tieferen Waldetagen und den Waldboden fallen, was andere Pflanzen in ihrem Wachstum fördert. Der Schutz der rothaarigen Menschenaffen ist daher lebenswichtig für die gesamte Gesundheit des Ökosystems Tieflandregenwald. Umgekehrt kann die (Über-) Lebensfähigkeit der Orang-Utan-Populationen nur gedeihen, wenn ihre Waldheimat ungestört und intakt bleibt. Nicht nur braucht der Orang-Utan den Regenwald, der Regenwald braucht auch den Orang-Utan.
In einem stark gestörten Regenwald, in dem zum Beispiel viele wichtige Nahrungspflanzen der Orang-Utans fehlen und die Tiere nicht genug Nahrung finden, sinkt die Fruchtbarkeit der Weibchen und damit ihre Geburtenrate. Eine Katastrophe für eine Art, deren Weibchen aufgrund ihrer langsamen Fortpflanzungsrate oft nur 2 bis 3 Jungtiere in ihrem Leben zur Welt bringen, für deren Überleben somit jedes einzelne Jungtier von grosser Bedeutung ist. Die Menopause bei in Gefangenschaft gehaltenen Weibchen tritt übrigens mit rund 48 Jahren ein. Die Lebenserwartung in freier Wildbahn wird auf bis zu 50 Jahre geschätzt. Orang-Utans in menschlicher Obhut werden älter und können ein Alter von 60 Jahren erreichen.