Boxende Orang-Utans

Orang-Utan mit Handschuhen

Erinnerungsfoto mit Orang-Utan (Bild: Aaron Gekoski)

und zahme Tiger als Tourismusattraktion?! Eine neue Plattform will diesen Missbrauch bekämpfen

 

Immer häufiger verbreiten sich Bilder, insbesondere auch über die Sozialen Medien, die Touristen aus aller Welt in inniger Verbundenheit mit wilden Tieren zeigen. Einmal einen Löwen streicheln? Scheinbar kein Problem in einigen afrikanischen „Auffangstationen“. Ein herziges Erinnerungs- Selfie mit einem Tigerbaby? Ein Ritt auf dem Rücken eines Elefanten oder einmal einen Orang- Utan umarmen? Thailands Zoos machen das Alles möglich, um ihren Besuchern ein unvergessliches Tiererlebnis zu ermöglichen. Dass die niedlich aussehenden Tiere, in ihren lustigen Kostümen in Wahrheit unglaublich leiden, wird von den naiven Urlaubstouristen nicht wahrgenommen.

Auch die neusten Schreckensbilder, die uns erreichen, stammen aus thailändischen Zoos - Papa Zoo, Phuket Zoo und Safari World nahe der Hauptstadt Bangkok. Dank der Bilder des Fotografen Aaron Gekoski wird die brutale Behandlung der Tiere vor Ort aufgedeckt. Besonders erschreckend sind Bilder, die Orang-Utans in Boxkämpfen zeigen: Während die Männchen in Trainershorts, scheinbar menschengleich, gegeneinander antreten, stellen die Weibchen in Bikinis die dazugehörigen „ring-girls“ dar.

 

Was noch viel bestürzender ist: die dortigen Tiershows werden von einem jubelnden Publikum begleitet. Dies zeigt ganz offensichtlich, dass das Wissen über artgerechte Tierhaltung in der breiten Bevölkerung noch nicht angekommen ist. Schlimm sind zudem Bilder, welche die trostlose Unterbringung der Tiere zeigen. Und wer glaubt, ein Orang- Utan mache all das „freiwillig“, liegt weit daneben! Der abscheuliche Zirkus wird unter Zwang erwirkt. Die Trainingsmethoden sind im selben Masse menschenunwürdig, wie sie die Würde und Gesundheit der Tiere mit Füssen treten.

 

Dennoch kommentieren verzückte Touristen diese Urlaubsbilder mit „wow wie herzig!“ oder „das möchte ich auch!“. Zoos, die wilde Tiere derart vermenschlichen und gänzlich verkümmern lassen, zerstören das letzte „wilde“ in den Tieren - oft mittels brutalster Bestrafung. Diese Missstände werden so lange weiter existieren, wie eine Nachfrage nach dieser Art von „Unterhaltungsindustrie“ herrscht. Aufklärung, die der „das will ich auch“-Kultur entgegenwirkt, ist dringend notwendig.

Orang-Utan im Bikini

Anfeuern für das Publikum (Bild: Aaron Gekoski)

Orang-Utan verkümmert im Käfig

Hinter den Kulissen (Bild: Aaron Gekoski)

Aus diesem Grund plant Aaron Gekoski eine Plattform, auf der Menschen aus aller Welt Bilder oder Videos zu derart missbrauchten Tieren posten und Bewertungen hinterlassen können. Betroffene Zoos und Tierparks sollen so an den Pranger gestellt werden. Mit im Boot: Die Wildlife Friends Foundation Thailand. Laut dieser Organisation werden viele der Tiere in ihren Herkunftsländern gewildert und illegal ins Land geschmuggelt. Internationale wie nationale Gesetzgebung wird dadurch missachtet und offensichtlich nicht durchgesetzt.

 

Viele der zur Belustigung der Besucher gehaltenen Tiere werden deshalb ihr Leben lang in Gefangenschaft verbringen. Selbst wenn die entsprechenden Zoos geschlossen und die Tiere befreit würden, bliebe ihnen in den meisten Fällen nur ein Dasein in einer Auffangstation, die sich aber immerhin um eine artgerechtere Haltung bemühen würde. Ein Orang-Utan oder auch ein Tiger, der einmal an den Menschen gewöhnt ist, kann in der Regel nicht wieder ausgewildert werden. Nur in wenigen Fällen gelingt nach einem jahrelangen und sehr mühevollen Rehabilitationsprozess eine Auswilderung.

Wir von BOS wissen wovon wir sprechen

Gemeinsam mit der indonesischen Regierung brachten wir 2016 insgesamt 14 Orang-Utans aus Thailand zurück nach Indonesien. Diese Tiere waren zuvor u.a. jahrelang in Boxkämpfen eingesetzt worden. Vier der Tiere (zwei Mütter mit ihren Babys) wurden damals von der BOS Stiftung aufgenommen. Dr. Jamartin Sihite (CEO, BOS Stiftung) beklagt die vielen bürokratischen Hürden, welche eine schnelle und kostengünstige Rückführung v.a. aus Thailand verhindern. Und er verweist darauf, dass die Plätze in den BOS- Rettungszentren leider limitiert und hart umkämpft sind. Solange dies der Fall ist, setzt sich die BOS Stiftung insbesondere für Orang-Utans ein, deren Chancen auf ein Leben in der Freiheit gut stehen. Vor allem junge Tiere (möglichst unter fünfjährige Orang-Utans) haben eine realistische Chance, wieder ausgewildert zu werden. Dass dies möglich ist, hat die BOS Stiftung bereits unter Beweis gestellt: Nach über zehn Jahren Rehabilitation wurden die ersten, aus Thailand zurückgeführten Orang-Utans letztes Jahr von BOS in die Freiheit entlassen.

 

Auch Sie können mithelfen,

indem Sie unsere Arbeit in den Rettungsstationen mit einer Spende unterstützten und die Bilder und Videos, mit denen Sie tagtäglichen in den Sozialen Medien konfrontiert werden, hinterfragen. Nein, ein Orang-Utan- Baby in einem Puppenkostüm ist nicht süss, sondern Tierquälerei. Nein, es ist nicht normal, dass ein Orang-Utan einen Bikini trägt und Tänze aufführt. Nein, es ist nicht normal, dass ein Affenbaby mit einem Tigerbaby spielt. Und nein, es ist erst recht nicht normal, dass ein Orang-Utan an einem Boxkampf beteiligt ist. Aaron Gekoskis Plattform zur Meldung solcher Tierquälereien ist sicherlich ein guter Anfang und ein Schritt in die richtige Richtung. Wir sind mit ihm bereits in Kontakt und planen eine Zusammenarbeit bei diesem und anderen Projekten.

 

Heute hat Aaron uns darüber informiert, dass seine Recherche bereits erste Wirkung zeigt: Die Lizenz des öffentlichen Zoos in Phuket wird eventuell nicht verlängert. V.a. die Unterbringung der Affen dort wurde bei einer Kontrolle bemängelt und entsprechende Auflagen erteilt.  

Orang-Utan im Bikini 2

Nicht süss sondern Tierquälerei (Bild: Aaron Gekoski)