Doppelter Grund zur Freude: Auswilderung und Einweihung des neuen Camps Lewun Kahio

Ein Orang-Utan wird aus dem Transportkäfig in die Freiheit entlassen

© BOS Foundation | Indrayana

Am frühen Morgen des 17. Februar erhielten die Orang-Utan-Männchen Batola und Unyu sowie das Orang-Utan-Weibchen Paduran die Chance, in die Wildnis zurückzukehren. 

 

Nach etwa 15 Stunden Fahrt traf das Auswilderungs-Team im Herzen des Nationalparks Bukit Baka Bukit Raya ein: an der Wasserscheide bei Bemban. Batola, Unyu und Paduran entwichen schnell aus den Transportkäfigen und kletterten bald schon die nächsten Bäume hinauf.

 

“Es wurden mehrere Studien durchgeführt, um die Eignung dieses Gebiets als Habitat für rehabilitierte Orang-Utans sicherzustellen”, so Agung Nugroho, Leiter des Nationalparks. Er fügt an, dass dabei unter anderem Faktoren wie die Verfügbarkeit natürlicher Nahrungsquellen, die Tragfähigkeit des Lebensraums und die Entfernung zu menschlichen Aktivitäten berücksichtigt worden seien. Darüber hinaus sei es wichtig, dass in den jeweiligen Auswilderungsgebieten noch keine bereits existierende wilde Orang-Utan-Population lebe. So soll den ausgewilderten Tieren die Möglichkeit geboten werden, sich in der neuen Heimat zu entwickeln und bestenfalls eine neue Population zu gründen.

 

Das Post-Release-Monitoring-Team wird die drei freigelassenen Orang-Utans über einen Zeitraum von zwei Monaten weiterhin intensiv überwachen, um sicherzustellen, dass sie sich gut an ihre neue Umgebung anpassen.

 

Insgesamt wurden bereits 171 Orang-Utans in diesem Gebiet ausgewildert, darunter drei, die aus Konfliktgebieten umgesiedelt wurden. Doch damit ist die Arbeit noch nicht getan. Dr. Jamartin Sihite, CEO der BOS Foundation, verfolgt für die Organisation das Ziel, zur ersten Rettungsstation ohne Käfige zu werden: "In den letzten Jahren haben wir viele rehabilitierte Orang-Utans ausgewildert. Jetzt ist es an der Zeit, die verbleibenden jungen Orang-Utans, die wir weiterhin in unseren Rehabilitationszentren betreuen, neu zu gruppieren und auf eine Auswilderung vorzubereiten. Wir müssen Regenwaldgebiete finden, um jene Orang-Utans in die Wildnis zu entlassen, die noch auf ihre Auswilderung warten. Aber Naturschutz ist keine Ein-Mann-Show, ohne die Zusammenarbeit aller beteiligten Parteien werden wir unsere Schutzziele nicht erreichen".

 

Um eine erfolgreiche Naturschutzarbeit unter Einbeziehung aller Interessengruppen zu gewährleisten, arbeitet die BOS Foundation weiterhin eng mit der Regierung Indonesiens zusammen, unter anderem auch mit dem Ministerium für Umwelt und Forstwirtschaft. Indra Eksploitasia leitet dort die Abteilung für Biodiversität. Sie war bei der Auswilderung selbst anwesend: "Durch die Freilassung dieser drei Orang-Utans hoffen wir, die Orang-Utan-Population in der freien Natur zu erhöhen und die biologische Vielfalt zu schützen. Dazu möchten wir auch die Beteiligung verschiedener Parteien und insbesondere der umliegenden Gemeinden am Orang-Utan-Schutz fördern."

Die drei ausgewilderten Orang-Utans im Porträt


Dürfen wir vorstellen: Das sind die drei Orang-Utans, die ihr Leben nach der Auswilderung nun in den Weiten des Nationalparks verbringen dürfen.

Batola

Porträt des Orang-Utan-Männchens Batola

© BOS Foundation | Indrayana

Batola wurde in der Stadt Banjarmasin in Süd-Kalimantan gerettet und kam am 19. Dezember als Fünfjähriger in der Rettungsstation Nyaru Menteng an. Als vorbildlicher Schüler meisterte er alle Lektionen der Waldschule erfolgreich.

 

Als die Gefahr anstieg, dass Batola durch seine wachsende Kraft Pflegerinnen und Pfleger verletzen könnte, wurde er auf Kaja Island, eine Vorauswilderungs-Insel, umgesiedelt. Dort streifte das Männchen vorwiegend alleine durch die Gegend. Nun, mit 17 Jahren, kann Batola sein Leben als wilder Orang-Utan im Nationalpark Bukit Baka Bukit Raya verbringen.

Paduran

Porträt des Orang-Utan-Weibchens Paduran

Das Orang-Utan-Weibchen Paduran wurde am 6. November 2009 in einem Dorf in Zentral-Kalimantan gerettet. Bei ihrer Ankunft in der Rettungsstation war sie erst 18 Monate alt und wog gerade 5 Kilo. Nach erfolgreichem Abschluss der Waldschule zog Paduran auf die Inselgruppe Salat Island um. Sie ist ein sanftmütiger Orang-Utan und verbringt ihre Zeit gerne mit ihren Artgenossen.

 

Heute ist das Weibchen 12 Jahre alt und wird fortan die Wälder des Nationalparks Bukit Baka Bukit Raya unsicher machen und dort ihre Umgebung neugierig auskundschaften.


Unyu

Porträt des Orang-Utan-Männchens Unyu

© BOS Foundation | Indrayana

Unyu wurde als Haustier in einem Dorf in Zentral-Kalimantan gehalten. Offenbar hatte das Orang-Utan-Männchen aus dem gleichen Napf gefressen wie ein Hund in jenem Haushalt. Als Unyu am 22. Februar 2017 als Dreijähriger in der Rettungsstation Nyaru Menteng ankam, zeigte er dennoch natürliches Verhalten und hielt grossen Abstand zu Menschen. Der junge, halbwilde Orang-Utan wurde in einer Gruppe weiterer halbwilder Tiere Alba, Radmala, Kika und Pujon in einem Sozialisierungskäfig untergebracht. Mitarbeitenden warf er regelmässig Kusslaute zu: “Komm mir bloss nicht zu nahe!” in Orang-Utan-Sprache. Mit 6 Jahren ist Unyu nun bereit, sein Leben in den Wäldern des Nationalparks zu verbringen.


Unterstützen Sie mit Ihrer Spende die Rettungsstationen der BOS Foundation vor Ort. Sie helfen damit, die Orang-Utans auf ihrem Weg in die Freiheit bestmöglich zu begleiten.

Die Einweihung des neuen Monitoring-Camps

 

Parallel zu dieser Auswilderung fand ein weiteres spezielles Ereignis statt: die Einweihung des neuen Monitoring-Camps an der Bemban-Wasserscheide. Das neue Camp trägt den Namen Lewun Kahio. In der Sprache der Dayak bedeutet das “Heimatdorf für Orang-Utans”. Eingeweiht wurde das Camp von Indra Eksploitasia, Leiterin der Abteilung für Biodiversität des Ministeriums für Umwelt und Wald, die selbst einen der Transportkäfige öffnete.

Bisher bestand das Camp aus einer temporären Zeltstruktur, nun wurde daraus ein permanent bestehender Holzkomplex. Seit der ersten Auswilderung bei der Bemaban-Wasserscheide im August 2016 wurden hier 134 Orang-Utans ausgewildert. Das Post-Release-Monitoring-Team konnte seither bereits viele aussagekräftige Daten sammeln.
Zur Einweihung des neuen Camps wurden alle Anwesenden mit einem Ritual, Pasang Lawung, begrüsst. Dabei wird die traditionelle Kopfbedeckung der Dayak getragen.

Mit weiteren Dayak-Ritualen soll der Schutz aller Anwesenden vor Schaden und Unglück sowie das Überwinden von Hindernissen symbolisiert werden. Damit und mit der Unterzeichnung einer Plakette durch alle beteiligten Parteien war die Einweihung des Camps Lewun Kahio komplett.


Die Einweihung des neuen Monitoring-Camps

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