Ostern ohne Palmöl und mit nachhaltigem Kakao - ist das möglich?

Osternest

Am Sonntag sind sie versteckt (Bild: pixabay.com)

Schokohasen, Schokoküken, Schokoeier mit und ohne Füllung, weisse Schokolade, dunkle Schokolade und und und… Die Liste der Osterprodukte, die seit knapp zehn Wochen in den Läden stehen, wirkt scheinbar endlos. Sie gehören in ein jedes Osternest und sorgen für freudige Gesichter. Häufig wird mit dem Slogan «Schweizer Milchschokolade» geworben.

 

Doch wie viel Schweiz steckt eigentlich in der Schweizer Milchschokolade? Was ist da sonst noch drin, das problematisch sein könnte? Palmöl natürlich! Und Kakao – der Hauptbestandteil unserer Schokolade. Doch woher kommt Kakao und unter welchen Bedingungen wird er produziert? Und wie einfach ist es, Produkte zu finden, die zertifizierten Kakao enthalten und palmölfrei sind? Dem gehen wir in diesem Artikel auf den Grund.

Kakaoanbau auf Kosten des Regenwaldes

Ausnahmsweise geht es uns heute nicht primär um Palmöl, auch wenn das umstrittene Öl immer noch in einer Vielzahl von Osterprodukten vorhanden ist. Die Rede ist stattdessen vom eigentlichen Hauptbestandteil der Schokolade – dem Kakao. Die NGO Mighty Earth stellte mittels Satellitenbildern erneut einen immensen Waldverlust durch den Kakaoanbau in Indonesien, Peru, Ecuador und Kamerun fest. Auch wenn die Nachhaltigkeitsorganisation der Industrie, die World Cocoa Foundation, behauptet, dass dies keine neue Erkenntnis darstelle und bereits Gegenmassnahmen angelaufen seien, beweisen die Bilder doch, dass die Lage ernst genommen werden muss.

 

Die Abholzung von Lebensraum stellt für die heimischen Tiere, wie den ecuadorianischen Jaguar, eine grosse Gefahr dar. Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind jedoch die eigentlichen Baumbewohner. Das Faultier in Peru und auch der Orang-Utan in Indonesien verbringen nahezu ihr ganzes Leben in den Bäumen und kommen nur in seltenen Fällen auf den Boden.

 

Um artgerecht zu leben, ist für sie eine durchgängige Waldzone unumgänglich. Ein Jaguar oder auch ein Büffel hat die Möglichkeit, eine gerodete Waldzone zu umgehen und in ein anderes Waldgebiet zu ziehen. Das Faultier und der Primate haben diese Möglichkeit nicht. Fehlt ihnen der Lebensraum und damit die Nahrung, drängen Orang-Utans auf die Plantagen. Nicht selten erreichen uns Berichte von Orang-Utans, die dort von Bauern gejagt und in einigen Fällen sogar getötet wurden. Nur wenige glückliche Tiere können von BOS gerettet werden. Ebenfalls problematisch ist die Tatsache, dass Plantagen auch für Wilderer wesentlich zugänglicher sind, als der dichte Regenwald. Ganz zu schweigen von den zum Teil nicht haltbaren Arbeitsbedingungen, denen die Kakaobauern ausgesetzt sind.

 

Ostern ohne Palmöl

Ostern ohne Palmöl-Schoki (Bild: pixabay.com)

Die Politik in der Pflicht

In Indonesien gibt es seit Jahrzehnten ein Gesetz, das die Jagd, den Handel und den Besitz geschützter Arten verbietet. Auch international stehen viele der dort heimischen Tiere unter strengem Schutz – ihr Lebensraum jedoch nicht. Jedes Jahr werden allein auf Borneo knapp eine Million Hektar Regenwald vernichtet. 80 Prozent des tropischen Regenwalds auf Borneo ist bereits zerstört. Ein Grossteil der gerodeten Flächen wird in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt und vor allem für den Anbau von Ölpalmen, aber auch Akazien, Reis und eben Kakao verwendet. NGOs wie Mighty Earth rufen die Industrie und die Politik dazu auf, die existierenden Kakaoabkommen, die beispielsweise mit Ghana und der Elfenbeinküste geschlossen wurden, auf andere Kakao produzierende Länder, wie Indonesien, auszuweiten. Schokoladenhersteller wie Lindt und Sprüngli verpflichten sich in diesen Abkommen dazu, keine neuen Schutzwälder für den Kakaoanbau zu roden und sich stattdessen für die Aufforstung einzusetzen.

Lösungsvorschläge Waldgebiete schützen

   

Konsumenten in der Pflicht

Osterhasen

Enthalten nicht nur Schokolade (Bild: pixelbay.com)

Aber auch wir als Konsumentinnen und Konsumenten können etwas gegen diese Entwicklung tun und Druck auf die Schokoladenhersteller ausüben. Ein kritisches Konsumverhalten, sowohl in Bezug auf Palmöl, als auch Kakao, ist nötig, um ein faires und umweltfreundliches Schokoladensortiment zu erwirken. Siegel überprüfen die Qualität von Produkten, sowie die Einhaltung anderer Standards bei der Produktion und im Vertrieb.

 

Das Fairtrade-Siegel garantiert beispielsweise den fairen Handel. Es zeichnet einen umweltschonenden Anbau auch von Kakao bei gleichzeitigem Schutz natürlicher Ressourcen aus. Zusätzlich verbietet es die Nutzung von Pestiziden, die insbesondere auch für Tiere gefährlich sein können. UTZ ist ein weiteres Nachhaltigkeitssiegel, dessen Anforderungen jedoch weniger streng sind, als dies bei Fairtrade der Fall ist. Das UTZ-Siegel steht daher häufiger in der Kritik. Fakt ist, dass auch dieses Siegel besser ist, als gar kein Siegel, denn immerhin werden so faire Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Bauern garantiert.

Unser Tipp

Sicher: Ein bewusstes Einkaufen und ein entsprechendes Konsumverhalten stellen im Alltag eine gewisse Herausforderung dar. Insbesondere bei Schokolade-Artikeln raten wir dazu, auf Nachhaltigkeitssiegel zu achten und die Inhaltsstoffe auf Palmöl zu überprüfen. Zertifizierte Kakao-Produkte zu finden, die zudem palmölfrei sind und in den gängigen Supermärkten erhältlich sind, ist nicht trivial.
Ihnen fehlt die Zeit für eine ausgedehnte Suche? Wir haben für Sie eine erste Liste mit passenden Produkten für Ihren Ostereinkauf zusammengetragen, damit Ihnen beim Schokoladenverzehr nicht der Appetit vergeht.
Frohe Ostern allerseits!

Schokoladenprodukte mit zertifiziertem Kakao UND palmölfrei

free from Schokoladeneili
M-Bio Osterhase Mandel
M-Bio Schokolade Milch
Coop Karma Coconut Choco
Stella Bernrain nectar de coco Schokolade Bio
Amarrù Blanc Bio Schokolade von Pronatec
Coop Naturaplan Schokoladen Tafel 60% Ecuador
   

Sinnvoll schenken!

Für Kurzentschlossene, die lieber Sinnvolles spenden statt Unnützes schenken möchten: Viele Orang-Utans brauchen dringend unsere Unterstützung, vor allem die geretteten Jungtiere in Not. Sie helfen mit einem Hilfspaket die Betreuung und Pflege der geretteten Orang-Utans zu finanzieren: 

  • ihre Versorgung mit Nahrung und Medikamenten,
  • ihre Vorbereitung auf ein Leben in Freiheit und
  • die Auswilderung.
Hilfspakete für Orang-Utans - sinnvoll spenden statt Unnützes schenken