10 Fakten zum ausgeklügelten Bettenbau

Albino-Weibchen Alba in ihrem Schlafnest in der Baumkrone

© BOS Foundation

BOS Schweiz begibt sich dieses Jahr nicht auf die Suche nach herkömmlichen Osternestern. Stattdessen werfen wir zusammen einen Blick auf die Schlafnester der Orang-Utans und präsentieren 10 Fakten zum ausgeklügelten Bettenbau. Das wird garantiert nicht minder spannend!

 

Übrigens: Auf dem Bild ist nicht etwa ein Osterei im Osternest zu sehen, sondern Albino-Orang-Utan Alba in ihrem Schlafnest hoch oben im Wipfel eines Regenwaldbaums.

 

Und: Mit der BOS Schweiz-Projektmanagerin Anna Marzec haben wir neu eine absolute Expertin zum Thema Orang-Utan-Nester im Team! Mehrere Jahre lang erforschte sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Universität Zürich u.a. den komplizierten und sehr individuellen Aufbau der Orang-Utan-Schlafnester. Sie spürte verlassene Nester auf und kletterte dann in schwindelerregende Höhen, um diese Nester ins Detail zu dekonstruieren und ihre Bauweisen zu dokumentieren. Anna weiss, welche Techniken es gibt, worauf die Orang-Utans besonders Wert legen und welche Materialien sie verwenden. Tauchen Sie ein in das fast noch unerforschte Geheimnis der - sorry Osterhase! - besten Nestbauer der Welt.

1. Üben, üben, üben!

Wie bei so vielen Dingen gilt auch beim Nestbau: Aller Anfang ist schwer! Welche Zweige eignen sich? Und wie wird aus einem Blätter-Chaos ein schönes Schlafplätzchen? Bis die Kleinen im Video soweit sind, braucht es noch ein paar Jahre Übung. Haben die Orang-Utans den Dreh erst einmal raus, werden sie förmlich zu Meister*innen des Bettenbaus.
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2. Und täglich grüsst...

Orang-Utans bauen sich jede Nacht ein neues Schlafnest. Kein Wunder also, werden sie mit der Zeit immer mehr zu Expertinnen und Experten des Bettenbaus! Ganz selten wird ein Nest von anderen umherstreifenden Tieren wieder verwendet - in der Regel dann für ein Nickerchen tagsüber.

3. Ein Himmelbett – im wahrsten Sinn des Wortes

Die Nester der Orang-Utans befinden sich hoch oben in den Baumkronen. Das ist wichtig, denn die Höhe bietet ihnen Schutz vor Raubtieren und Parasiten. Auch Orang-Utans werden ungern von blutsaugenden Moskitos aus dem Schlaf gerissen... Apropos fiese Blutsauger: Es gibt Hinweise darauf, dass manche Orang-Utans ihre Nester vorzugsweise auf Bäumen platzieren, deren Blätter eine Art natürliches Insektenabwehrmittel enthalten. Clever!

4. Qualität bzw. Stabilität ist alles!

Die Nachtlager aus Ästen, Zweigen und Blättern müssen einiges aushalten! Ausgewachsene Männchen bringen nämlich gut und gerne bis zu 100 Kilogramm auf die Waage. Manche Orang-Utans biegen etwas dickere, elastische Äste zu einem Ring oder Rahmen. Das verleiht ihren Nestern zusätzlich Stabilität. 

5. Eine ausgeklügelte Technik

Einfach drauflos bauen? So einfach ist das keineswegs. Die Orang-Utans haben ausgeklügelte und sehr individuelle Techniken entwickelt, um sichere und komfortable Schlafgelegenheiten zu errichten. So wählen sie erst einen stabilen Seitenast aus, der als Basis für das Nest dient. In einem nächsten Schritt ordnen sie nach und nach Äste und Zweige an. Diese werden aber nicht wahllos platziert, sondern sorgfältig ineinander verwoben. Ziemlich genial, oder?
Orang-Utan-Schlafnest

© BOS Foundation | Eko Prasetyo

6. Auf Spurensuche

Die Nester bieten nicht nur einen komfortablen Schlafplatz für Orang-Utans, sie sind auch für das Post-Release-Monitoring-Team nützlich. Dieses ist zuständig für die Überwachung von ausgewilderten Orang-Utans. Fussabdrücke, Essensreste und benutzte Schlafnester geben ihnen Orientierung und sind hilfreiche Anhaltspunkte für die Spurensuche. Nicht selten verstecken sich die Orang-Utans nämlich gut im Dickicht des Waldes. Und das ist gut so! Denn es zeigt, dass sich die Tiere erfolgreich an ihre neue Umgebung angepasst haben und bereit sind, ein Leben als unabhängige Individuen zu führen.

7. Ausschlafen ist angesagt – nicht nur am Osterwochenende

Im Vergleich zu anderen Primaten sind Orang-Utans richtige Langschläfer*innen. In der Regel schlafen sie zusammengerollt bis in die frühen Morgenstunden. Forscher*innen gehen davon aus, dass die Menschenaffen gerne, lange und tief schlafen. Die sich ab und zu bewegenden Augenlider lassen vermuten, dass sie flüchtige Orang-Utan-Träume erleben.
Schlafnest eines wilden Orang-Utan-Männchens

8. Schlafkomfort mit allem, was dazugehört

Dass die Orang-Utans im Nestbau viel Kreativität beweisen, wissen wir nun schon. Aber auch Komfort hat für sie oberste Priorität: Manche Waldmenschen basteln sich nicht nur weiche Matratzen, sondern auch gleich die Decken oder Kissen dazu. Einer erholsamen Nachtruhe steht nichts mehr im Weg!

9. Auch das Ökosystem profitiert vom Nestbau

Der Nestbau der Orang-Utans hat auch für die Regenwälder eine positive Funktion. Auf der Suche nach dem benötigten Baumaterial brechen sie morsche Äste und alte Zweige ab. Auf diese Weise erhalten jüngere Triebe wieder mehr Licht und können besser gedeihen. 

10. Der Regenwald ist die Grundlage

Das Schwinden ihrer Lebensräume ist eine grosse Bedrohung für die Orang-Utans. Wie sollen in den Baumkronen Schlafnester gebaut werden, wenn immer mehr Regenwaldgebiete Opfer von Abholzungen und Brandrodungen werden?
                                   

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Die globale Corona-Krise hält auch in den BOS-Rettungsstationen Einzug. Wichtige Schutzausrüstung ist weltweit stark nachgefragt, was zu einem enormen Preisaufschlag führt. So ist der Preis für Schutzhandschuhe in den letzten Wochen um 167 Prozent gestiegen, der Preis für Schutzmasken gar um 762 Prozent.

Wir wünschen Ihnen ein schönes Osterwochenende und danken ganz herzlich für Ihre wertvolle Unterstützung!