Neue Hauptstadt, alte Probleme

BOS-Rettungsstation Samboja Lestari

© Andrew Suryono

Die neue indonesische Hauptstadt wird neben der BOS-Rettungsstation Samboja Lestari entstehen. Im Moment (Stand Mai 22) werden dort direkt noch keine Häuser für die Hauptstadt gebaut, denn unsere Rettungsstation befindet sich im “Entwicklungs-Gürtel” der Stadt. Eine Autobahn entsteht trotzdem schon jetzt und ganz in der Nähe. Was die neue Hauptstadt für die Orang-Utans, das Ökosystem in Ost-Kalimantan und BOS bedeutet, können wir noch nicht abschliessend einschätzen. Hier erfahren Sie, was wir bis jetzt wissen.
Das indonesische Parlament hat Anfang 2022 ein Gesetz zur Verlegung der Hauptstadt auf die Insel Borneo verabschiedet. Die Stadt soll “Nusantara” heissen und 2000 Kilometer von der derzeitigen Hauptstadt Jakarta entfernt liegen. Die Regierung plant nach eigenen Aussagen, “eine neue, smarte Metropole” zu erschaffen, die keine Emissionen verursachen werde. Umweltschützer*innen kritisieren, dass der Bau der neuen Hauptstadt Ökosysteme zerstören wird. Grund für den Umzug Jakartas sind der steigende Meeresspiegel, Umweltschäden, eine überlastete Infrastruktur und Überbevölkerung.

Es wird teuer

Unsere Geschäftsleiterin, Dr. Sophia Benz, ist seit über 5 Jahren bei BOS Schweiz und verfolgt mindestens so lange die Entwicklung der Region – mit Besorgnis. “Ich befürchte negative Effekte wie höhere Lebensmittelpreise. Das wäre ein Problem für die lokale Bevölkerung und auch für uns, denn Früchte und Gemüse für die Orang-Utans und Malaienbären sind schon jetzt ein grosser Kostenpunkt. Zudem wird für den Produktanbau leider oft Wald abgeholzt – das wird logischerweise auch im grossen Stil passieren, um Platz für Häuser und Infrastruktur zu machen. Das ist nicht nur fatal für die Orang-Utans, sondern auch für das Weltklima.”

Das über 1800 Hektar grosse Grundstück, auf dem Samboja Lestari liegt, gehört seit 2001 der BOS Foundation. Darum hoffen wir, dass es in unseren Händen sicher ist und nicht verbaut werden kann. Die BOS Foundation bemüht sich, im Dialog mit der Regierung den Artenschutz als Teil des Entwicklungskonzepts der Stadt zu verankern. Wir gehen mit gutem Beispiel voran, zum Beispiel mit unserer neuen Solaranlage, welche die komplette Rettungsstation mit erneuerbarer Energie versorgt.

Illegale Landübernahme

Wegen der geplanten neuen Hauptstadt wird der Boden in Ost-Kalimantan beliebter, darum kämpft BOS schon länger gegen illegale Landübernahmen, unter anderem mit regelmässigen Patrouillen. Leider stossen sie immer wieder auf böse Überraschungen. Wie im Oktober 2020, als das Team auf Bauarbeiten im BOS-Gebiet traf (siehe Bild). Konfrontationen und Nachforschungen ergaben, dass eine Kohlemine gebaut werden soll und dafür sogar eine Arbeitserlaubnis von der örtlichen Landbehörde ausgestellt wurde. Bevor BOS (teure) rechtliche Mittel ergreift, wurde ein Mediationsversuch gestartet. Wir hoffen sehr auf einen Erfolg.

Illegale Landübernahme

© BOS Foundation

Teilweiser Umzug als Option

Ob wir in Zukunft weiterhin auswilderbare Orang-Utans in Samboja Lestari rehabilitieren können, ist unklar. Eine Verlegung unserer Arbeit in Sachen Rehabilitation ins entlegenere Auswilderungsgebiets in Ost-Kalimantan ist eine Option. In Samboja Lestari würden wir in diesem Szenario nur noch die Lodge, Klinik, Special Care Unit und ein Visitor Center betreiben. Auch unsere Aufforstungsaktivitäten würden weiterlaufen und die nicht-auswilderbaren Orang-Utans und Malaienbären würden weiterhin in der Rettungsstation bleiben.

 

 

Unterstützen Sie uns dabei, unser Landrecht zu erkämpfen und zu verteidigen, sowie Waldgebiete unter Schutz zu stellen, um weiterhin das Überleben der Orang-Utans und den Erhalt ihres Habitat zu sichern.